
Warum handeln Individuen und Gesellschaften weiterhin nicht nachhaltig, obwohl Wissen, Werte und Intentionen oft vorhanden sind? Gängige Ansätze erklären Verhalten über Werte, Normen und Strukturen (z. B. Klöckner 2013) oder untersuchen, wie Situationen erlebt werden (z. B. Frank et al. 2024). Dabei bleibt meist eine grundlegende Frage unbeantwortet: Wie kommt es überhaupt dazu, dass Wirklichkeit als gegeben, bedeutsam und handlungsrelevant erscheint?
Diese Arbeit setzt genau hier an. Sie untersucht, wie Situationen als real und selbstbezogen erfahren werden – und wie dieses „Für-real-Nehmen“ bestimmt, was als relevant, möglich und handlungsleitend erscheint.
Der Ansatz verbindet Nachhaltigkeitsforschung, kognitive Wissenschaft und kontemplative Perspektiven und führt den Begriff der Reifikation ein: die Tendenz, Wirklichkeit – einschließlich des Selbst – als fest und inhärent gegeben zu erleben. Variationen dieser Tendenz werden als Modi existenzieller Gewahrseinsweisen (Dorjee 2016) verstanden und beschreiben unterschiedliche Weisen, wie Situationen wahrgenommen, bewertet und in Handeln übersetzt werden.
Aus dieser Perspektive entsteht Verhalten nicht nur aus äußeren Bedingungen oder inneren Motiven, sondern aus der Art und Weise, wie Wirklichkeit erfahren wird. Diese Muster werden kulturell, institutionell und wissenschaftlich mitgeprägt – und stabilisieren so bestehende Handlungsweisen.
Die Arbeit skizziert einen konzeptionellen Rahmen und eine Forschungsagenda, die epistemische Orientierung als möglichen tiefen Hebel für Nachhaltigkeitstransformationen untersucht. Eine ausführliche Publikation ist in Vorbereitung (2026/2027).
Der Großteil der Forschung findet derzeit an der Universität Freiburg statt. Kooperationen und Fördermöglichkeiten sind willkommen